Immer wieder werden wir gefragt, wie das so ist in einem Wohnwagen zu wohnen, jede Woche in einer neuen Stadt zu sein und dort neue Leute kennen zu lernen, ständig die ganze Familie um sich zu haben und wie die Kinder bloß neben dem ganzen Krach schlafen können! Nun wollen wir Ihnen das Leben einer Schaustellerfamilie etwas näher bringen.
Wir betreiben mit unserem Familienbetrieb einen Autoscooter, einen Automatenwagen, einen Eiswagen und einen Greifer. Zusätzlich zu unserer Sommersaison sind wir mit Reibekuchen und Dampfnudeln auf dem Trierer Weihnachtsmarkt vertreten. Ein Schaustellerleben ist anstrengend! Als Schausteller kommt niemals Langeweile auf, denn es gibt immer etwas zu tun.Bevor wir am Anfang einer Woche mit unseren Wagen in einer neuen Stadt ankommen, liegt viel Arbeit vor uns, bis alle Geschäfte an Ihrem Platz stehen und eröffnet werden können.
Eine Schaustellerwoche beginnt mit dem Transporttag. All unsere Wagen und Geschäfte müssen abgebaut und verladen werden. Wie lange so etwas dauert, ist
natürlich von Geschäft zu Geschäft unterschiedlich. Außerdem kommt es darauf an, wie viel Platz um die Attraktion herum ist und wie viele Männer beim Abbau helfen können.
Für die Frauen der Familie bedeut
et so ein Transporttag natürlich auch jede Menge Arbeit. Die Wohnwagen werden meist am Abend zuvor oder am Morgen der Abreise fertig gemacht. Alles muss verstaut und befestigt werden, damit während der Fahrt nichts zu Bruch geht. Fernseher und Dekoration werden in Kissen und Decken verpackt, Geschirr wird bruchsicher verstaut, Bilder, Spiegel und alles andere, das nicht fest montiert ist muss gesichert werden. Selbst die Tür vom Kühlschrank und alles das, was im Badezimmer aufgestellt ist, muss verschlossen oder weggelegt werden. Das alles muss natürlich sehr schnell passieren, denn an einem Transporttag wollen alle so schnell wie möglich in die nächste Stadt, um dort mit dem Aufbau zu beginnen.
Wenn alles Startklar ist, fahren wir los, in die nächste Stadt - auf den nächsten Kirmesplatz!
Da jedoch nicht alle Wagen und Transporter auf einmal gefahren werden können, wird in den meisten Fällen Nachts der erste Teil und am nächsten morgen die restlichen Fahrzeugen zum Platz gefahren.
Nach Ankunft müssen die Wagen an ihre vorgesehen Stellen rangiert werden, denn jeder Wagen wird einem bestimmten Platz zu geordnet. Die verschiedenen Stellen variieren von Ort zu Ort, doch auf jedem Volksfest haben wir von Jahr zu Jahr den selben Platz.
Wenn alle Wagen stehen, fangen wir meist direkt mit dem Aufbau der Wohnwagen an. Das bedeutet: Die Räder werden gesichert und die Stützen herausgefahren. Die Stromkabel, Wasser- und Abflussschläuche müssen verlegt werden, Erker müssen ausgefahren werden, der Kamin wird angebracht und vieles mehr. Ist ein Wohnwagen bzw. Camping soweit aufgebaut, kann man mit dem Auspacken im Inneren beginnen. Jetzt muss alles das, was eingepackt und gesichert wurde, wieder ausgepackt, abgewaschen, aufgeschlossen und aufgestellt werden. Praktisch gesehen, jede Woche ein Frühjahrsputz!
Während die Männer bis zur Eröffnung mit dem Aufbau der Geschäfte Arbeit satt und genug haben, müssen sich die Frauen, nachdem alles ausgepackt und sauber ist, um zahlreiche andere Aufgaben kümmern. Täglich wird für unsere komplette Familie und unsere Angestellten frisch gekocht, die Wäsche vom Wochenende muss aufgearbeitet werden, denn am Wochenende steht für alle das Geschäft an erster Stelle! Weitere Arbeiten sind die Buchhaltung, Haushalt, Vorbereitung der Musik, säubern aller Geschäfte usw. Wir haben immer einen ganzen Haufen mehr Arbeit als Zeit.
Es heißt nicht umsonst: Für ein Schaustellerleben muss man geboren sein! Die schulische Bildung ist uns in unserer Familie natürlich auch sehr wichtig. Aus diesem Grund haben wir jedes Kind bis zu seinem Abschluss jeden morgen in die selbe Schule gefahren und am Mittag wieder abgeholt. Dadurch können nun Beide einen gelungenen Abschluss aufweisen und haben eine Ausbildung begonnen. Früher war das noch alles anders. Vor ca. 30 Jahren gingen die Kinder unserer Familie im Internat zur Schule.
Schausteller sind wie eine Kleinstadt auf Rädern. Jeder kennt Jeden und wir stehen ständig im Kontakt zueinander, auch wenn wir uns Wochen oder Monate nicht sehen. Bekannte und Freunde sieht man manchmal nur einmal im Jahr, aber das tut der Freundschaft keinen Abbruch.
Da wir mit der ganzen Familie ständig auf engstem Raum zusammen leben und auch zusammen arbeiten, haben wir ein sehr intensives Familienleben, und das merkt man auch. Es hat sehr viele Vorteile ein Schaustellerkind zu sein. Man hat seine Eltern immer um sich und kann ihnen bei der Arbeit helfen, die ganze Familie ist jederzeit für einen da, wenn irgendetwas ist oder man Hilfe braucht. Man ist nie alleine und lernt sehr früh Verantwortung zu übernehmen. Das nicht nur für das eigene Handeln, sondern auch für das, der Mitmenschen. Schon in jungen Jahren übt sich, schnell und selbstständig zu arbeiten und damit umzugehen, ständig im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Schon als Kind lernt man den Umgang mit Geld und wie wichtig die Kunden sind. Pünktlichkeit spielt bei uns eine große Rolle, denn wenn man als Kindergarten- oder Schulkind mit anderen Kindern spielen geht, muss man sich jede Stunde bei seinen Eltern melden, und sagen das alles in Ordnung ist. Wenn man zu spät oder gar nicht kam, zog es Konsequenzen mit sich und man durfte nicht mehr weg.
Schon im Kinderwagen haben die Jüngsten der Familie auf dem Volksfest gespielt und geschlafen. Wenn man von frühsten Kindertagen daran gewöhnt ist, kann man auch heute noch problemlos neben dem größten Lärm schlafen. Selbst das erledigen der Hausaufgaben, neben der Musik des Autoscooters stellt kein Problem dar, eher ganz im Gegenteil.
Wenn wir im Winter zu Hause sind, blicken wir voller Vorfreude auf den Beginn der nächsten Saison.
In den 4 Wintermonaten, in denen wir im Haus wohnen, werden alle Geschäfte gründlichst gereinigt und aufbereitet. Alle Anstriche werden kontrolliert und gegebenenfalls erneuert, die Lichter und Birnen werden getestet und auf Funktion und Vollständigkeit geprüft. Und jedes Jahr im Winter, nehmen wir eine große Modernisierung vor, wie zum Beispiel die Neugestaltung, Lackierung und neue Beleuchtung der Blafond im letzten Winter. Denn nur so bleibt ein Geschäft attraktiv, gepflegt und modern. Stress, Hektik und ein lautes Umfeld sind einfach angeboren. Das Leben in einem Wohnwagen, können sich die meisten Leute nicht vorstellen. Natürlich, jeder war schon einmal Campen oder hat im Fernsehen etwas darüber gesehen. Doch wenn man sein ganzes Leben so verbringt, sieht vieles anders aus. In unserem Wohnwagen ist alles drin, was wir in unserem Haus auch haben. Hier fehlt es an nichts. Angefangen bei einer Spülmaschine, Herd, Ofen und Klimaanlage, bis hin zu Waschmaschinen, Trocknern und Fernsehern.
Wir haben noch immer ein Schmunzeln im Gesicht, wenn wir daran zurück denken, das ein Reporter einmal in einem Bericht über uns geschrieben hat: "Im Wohnwagen ist sogar Tapete an den Wänden". Für uns ist das alles selbstverständlich, genauso wie die Tapete in Ihrem Wohnzimmer, an die Sie wohl auch keinen Gedanken verschwenden.
Je nach Ort oder Stadt, dauert ein Fest bis Sonntag, Montag oder auch Dienstag.
Am letzten Abend wird wieder alles abgebaut und der Kreislauf beginnt von vorne: Wagen einpacken, in die nächste Stadt fahren, alles aufbauen und auspacken, ...

Wir hoffen, der Einblick in ein Schaustellerleben, konnte Ihnen einige Fragen beantworten und eine kleine Einsicht in unser Leben ermöglichen!

 

Text Familie Barth