Text- und Bildauszug  -  Wie alles begann
 
Wie alles begann.....
Jahrmarkt, Fahrendes Volk und Karussells
Margit Ramus
 
Text- und Bildauszüge

In der vorliegenden Magisterarbeit führe ich zunächst in die Geschichte des Jahrmarkts und seiner Beschicker ein. Es folgt die Definition des Begriffs "Karussell" und die Entwicklung der beiden Karussellgrundtypen. Ich werde die Veränderungen im Schaustellergewerbe im 19. Jahrhundert und die Entstehung der Karussellbauindustrie ansprechen.


Jahrmarkt.............
Der Jahrmarkt nahm im Mittelalter eine besondere Stellung in der Stadt ein.
Traditionell fielen die meisten Jahrmärkte mit der Feier des heiligen Schutzpatrons zusammen. Hohe Kirchen- und Heiligenfeste waren willkommene Unterbrechungen des Alltags.

Abb. 2:  Mittelalterischer Jahrmarkt
dargestellt von unbekanntem Meister im 19. Jh.
Das gemeine Volk strömte in die Stadt, und die Menschen nutzten nach dem Besuch der Messe die meist in der Domimmunität aufgebauten Waren- oder Krammärkte zum Essen, Trinken, Tanzen, sonstigen Lustbarkeiten und Schaustellungen (Abb. 2). Die Märkte dienten daher nicht nur dem Warenaustausch zwischen Stadt- und Land, sondern waren auch Nachrichtenbörsen, Heiratsmärkte und Zentren der kulturellen Kommunikation: Jahrmarkt als Ort des Friedens, der Freude und des freien Handels.

Abb 3 Jahrmarkt
Johann Michael Voltz kol. Radierung 1823
Er lockte neben den Händlern und aus der Ferne anreisenden Kaufleuten auch eine große Anzahl von Schaustellern, Gauklern, Quacksalbern, Moritaten- und Bänkelsängern, Seiltänzern sowie Marionettenspielern u.a. an (Abb 3)

Fahrendes Volk............

.....So könnte man spekulativ behaupten, dass man bereits von den erwähnten Gauklern, Artisten, Kunstreitern, Seiltänzern und Spielleuten von "Schaustellern" sprechen könnte und sich mit der Zeit die Schausteller aus dieser Gruppe gebildet hätten. Hermann Arnold stellt die These auf, dass das "Fahrende Volk" im Laufe des 19. Jahrhunderts langsam auszusterben begann und sich eine neue Berufsgruppe der Schausteller bilden würde.

Man spricht heute nicht mehr vom "Fahrenden Volk", obwohl es nicht diskriminierend wäre, die Schausteller als Nachfolger des "Fahrenden Volkes" zu nennen. Michael Faber spricht in seiner Dissertation von einem "historisch unterprivilegierten, bis heute gesellschaftlich nicht besonders hoch eingeschätzten Erwerbszweig".  
Empfehlenswert wäre die kulturpolitische sowie wissenschaftliche Anerkennung der Tatsache, dass im "Fahrenden Volk" der Ursprung einer Vielzahl "ehrenwerter" Berufe, die den sozialen und kulturellen Bedürfnissen der gegenwärtigen Gesellschaft entsprechen, liegt. Es sollte nicht vergessen werden, dass multikulturelle und technische Innovationen oft auf Jahrmärkten dem Volk vorgestellt und zugänglich gemacht worden sind.

Schon 1637 erweckten die Barbiere und Quacksalber, die von Jahrmarkt zu Jahrmarkt mit Pferd und Wagen zogen, das Interesse von Rembrandt, der den "Quaksalber und sein Publikum" in einer Zeichnung mit diesem Untertitel festhielt (Abb. 5).

Abb. 5. Der Quacksalber und sein Publikum
Rembrandt 1637
Die Quacksalber versorgten die Menschen medizinisch, verkauften allerlei Wunderheilmittel in Form von Pulver und Salben und stellten Abnormitäten zur Schau, wie z.B. den übergroßen Menschen auf der Zeichnung von Rembrandt.


Erste Karussells.............


In der Entwicklung der transportablen Karussellarten lassen sich zwei grundsätzliche Typen festmachen.

Abb. 32 Linkes Karussell ist einem kol. Stich um 1800
und das Rechte einem holländischen.Holzstich
von 1830 entnommen.
Man unterscheidet ein Hängekarussell von einem Bodenkarussell. Beim Hängekarussell hängt die Besatzung an den horizontalen Armen des Drehgestells, den Auslegern (Abb. 32)
Das hier vorgestellte ist ein einfach konzipiertes Bodenkarussell aus dem Jahre 1805 (Abb. 33). In einem am Boden liegenden Holzkreuz war ein drehbarer Mast befestigt.
Abb. 33 Bodenkarussell aus dem Jahre 1805
Published by William Miller 1805 kol. Stich
 

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